Inflation / Deflation

Geldanlagen können helfen, der Inflation entgegen zu wirken. Wie das funktioniert und was genau Inflation und Deflation überhaupt ist, wird im Folgenden erklärt.

1. Inflation

Bei der Inflation handelt es sich um einen allgemeinen Anstieg des Preisniveaus in einer Volkswirtschaft. Im Rahmen dieses Prozesses verändert sich das Austauschverhältnis von Geld zu Gütern und Dienstleistungen in dem Sinne, dass für eine Geldeinheit weniger Güter gekauft werden können, oder für die gleiche Menge Güter mehr Geld bezahlt werden muss. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes verringert sich.
Inflation hat vielfältige Gründe, sowie Vor- und Nachteile für einzelne Volkswirtschaften, verschiedene Gruppen von Menschen und die weltweite Ökonomie.
Um das Ausmaß der Inflation statistisch festzuhalten, werden repräsentative Warenkörbe gebildet, die verschiedene Güter und Dienstleistungen in unterschiedlichen Gewichtungen enthalten. Ziel ist es dabei, die finanzielle Mehrbelastung insbesondere der Verbraucher statistisch festzuhalten, da auf dieser Grundlage staatliche Transferzahlungen und Löhne angeglichen werden können.

 

1.1 Geschichte der Inflation

Um das Phänomen der Geldentwertung besser verstehen zu können, lohnt sich ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte der Menschheit schon insbesondere deshalb, weil die heute lebende deutsche Bevölkerung keine überdurchschnittliche Inflation über einen längeren Zeitraum erlebt hat.
Inflation existiert, seit die Menschheit Geld als Zahlungsmittel zu nutzen begann. Im Laufe der Geschichte zeigten sich immer wieder extreme Preissteigerungsraten, beispielsweise ist für den Zeitraum von 200 bis 289 n. Chr. eine Inflation von ca. 7000% für Wein im römischen Reich überliefert. Manche Historiker machen gar eine hohe Inflation und daraus folgende Massenverarmung mitverantwortlich für den späteren Untergang Roms. Auch die französische Revolution geht teilweise auf exzessive Inflation zurück. Die exorbitante Verschuldung des absolutistischen Staates Frankreich und die Verschwendungssucht des Adels führten in eine wirtschaftliche Krise, woraufhin die Lebenshaltungskosten im Jahr 1887 um ca. 62% anstiegen, die Löhne aber gleichzeitig nur um 22% angehoben wurden. Dass die Arbeiter auch aus wirtschaftlichen Motiven heraus einen Systemwechsel anstrebten, erscheint vor diesem Hintergrund logisch.
Das wohl bekannteste Beispiel ist aber die Hyperinflation in der Weimarer Republik um 1923, die zu einer Verarmung der Bevölkerung führte und die Unzufriedenheit der Massen derart steigerte, dass sie bekanntermaßen nach der folgenden Weltwirtschaftskrise die Lösung im Faschismus suchte.

 

1.2 Wie entsteht Inflation?

Die Ursachen für Inflation sind komplex, gehen aber im Wesentlichen auf eine Ausweitung der Geldmenge durch die Zentralbanken zurück.
Man unterscheidet hauptsächlich zwischen einer Nachfragesoginflation und einer Angebotsdruckinflation, die jeweils durch die entsprechende Marktseite ausgelöst wird.
Bei der Nachfragesoginflation steigt die Nachfrage nach Gütern so schnell, dass die Anbieter ihr Angebot nicht rechtzeitig ausweiten können. In Folge der Marktgesetze steigen stattdessen die Preise. Längerfristig ist dies allerdings nur dann möglich, wenn die Geldmenge angehoben wird.
Die Angebotsdruckinflation wird im Gegensatz dazu durch steigende Produktionskosten z.B. für Löhne, Energie oder Ressourcen ausgelöst. Auch hier ist eine Ausweitung der Geldmenge wieder Voraussetzung für längerfristige Inflation.
Im Laufe der Zeit haben verschiedene wirtschaftliche Schulen weitere Inflationstheorien entwickelt, die auf unterschiedlichsten Faktoren basieren.

 

1.3 Messung der Inflation

In Deutschland wird die Inflation anhand eines repräsentativen Warenkorbes gemessen. Dieser enthält Güter des täglichen Verbrauchs, sowie langlebige Güter mit entsprechend sinnvoller Gewichtung. Die aktuellen Durchschnittspreise werden nach Ermittlung mit dem Vorjahr oder einem Basisjahr verglichen. In den vergangenen Jahrzehnten lag die Inflation relativ konstant zwischen 0,5 und 2,5% und stellt damit eine gute Kalkulationsgrundlage für die kommenden Jahre dar.
Allerdings sind diese Werte mit Vorsicht zu genießen, da manch wichtige Faktoren nicht berücksichtigt werden. So kann sich das z.B. das Konsumentenverhalten stark ändern und vom betrachteten Warenkorb abweichen. Weiterhin ist es oft möglich, teurere Produkte durch ähnliche Güter zu ersetzen, die sich nicht verteuert haben.
Auch sind die Werte über alle Einkommensgruppen aggregiert, so dass die Inflation auf einen Hartz IV-Empfänger deutlich andere Auswirkungen haben kann, als auf einen wohlhabenden Konsumenten, der Luxusgüter kauft.
Manche Güter sind überhaupt nicht im Warenkorb erfasst, so z.B. Finanzgüter und Immobilien. Steigen nun die Preise für diese Güter massiv an, wird dies nicht in der angegebenen Inflationsrate sichtbar. Eine solche Vermögenspreisinflation kann zu Spekulationsblasen und Wirtschaftskrisen führen, wie dies in der Weltwirtschaftskrise um 1930 und auch aktuell geschehen ist.

 

1.4 Folgen der Inflation

Inflation kann in verschiedenen Geschwindigkeiten stattfinden, von der schleichenden Inflation bis zur Hyperinflation. Im Folgenden werden einige allgemeine Auswirkungen aufgezeigt, gegliedert nach Höhe der Inflation.

Leichte Inflation (0% bis 5% pro Jahr) löst meist einen Anstieg der Nachfrage aus, da die Menschen ihr Geld ausgeben oder investieren möchten. Die Europäische Zentralbank gibt einen Zielwert von 2% pro Jahr vor, um eben diesen Effekt zu erreichen und die negativen Auswirkungen einer höheren Inflation oder einer Deflation zu vermeiden.
Die möglichen Renditen müssen allerdings deutlich über der Inflationsrate liegen, um eine Geldanlage attraktiv zu machen, dies ist in der Realität nahezu immer der Fall.
Bei schwerer Inflation (>5% pro Jahr) sinkt der Wert des Geldes hingegen zu schnell, was mittel- bis langfristig zu einer Flucht in Sachwerte wie z.B. Immobilien führt. Die Menschen verlieren ihr Vertrauen in die Stabilität des Geldes und handeln stattdessen irgendwann in Ersatzwährungen, z.B. ausländischem Geld oder auch Zigaretten, beispielsweise in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Das Angebot an Kapital nimmt zu, der Kapitalzins steigt und die Banken bieten keine langfristigen Kredite zu konstanten Zinsen mehr an. Dies wiederum erschwert den Kreditnehmern ihre Planung, die Unternehmen fahren Investitionen mit zu geringer Rendite zurück und gehen unter Umständen bankrott, wenn ihre Renditen nicht ausreichend, um den Verlust durch die Inflation zu decken.

Durch die Inflation kommt es zu einer Senkung der Reallöhne, da die Gewerkschaften meist nicht in der Lage sind, schnell genug Lohnsteigerungen durchzusetzen. Auch die Realeinkommen von Personen, die auf staatliche Transferzahlungen angewiesen sind, sinken ab, da diese nur sehr selten in voller Höhe der Inflation angepasst werden.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass eine leichte Inflation gewisse Vorteile bietet, die Wirtschaft aber bei zu hoher Inflation Schaden nimmt.
Grundsätzlich profitieren Nettoschuldner von höherer Inflation, da sich der Wert ihrer Schulden verringert. Zu diesen gehören auch die meisten Staaten der Welt.
Umgekehrt verlieren dementsprechend die Nettogläubiger.

 

1.5 Wie kann man sich vor Inflation schützen?

Der Nettogläubiger ist daran interessiert, sein Geld vor Entwertung zu schützen. Er kann es anlegen und durch erhaltene Zinszahlungen der Inflation entgegenwirken. Eine einfache Möglichkeit zum Schutz bieten Tagesgeldkonten und Festgelder, da beide grundsätzlich Zinsen abwerfen, die die Höhe der Inflation weit übersteigen.
Verbrauchern fällt es heute leicht, die Angebote verschiedener Banken zu vergleichen, weil sie Vergleichsseiten im Internet als Marktübersicht nutzen können.
Die Zinsen für diese Art der Geldanlage schwanken mit der Inflation, da Kreditinstitute sich Geld zum sogenannten Leitzins bei der Zentralbank leihen können, welcher wiederum maßgeblichen Einfluss auf die Höhe der Inflation hat. Kann sich eine Bank nun günstig Geld leihen, wird sie tendenziell weniger Zinsen aufs Tagesgeld und Festgeld zahlen, bei hohen Leitzinsen wird sie umgekehrt höhere Zinsen zu zahlen bereit sein.
Grundsätzlich sei dazu gesagt, dass sich diese mündelsicheren (verlustgeschützten) Anlageformen immer lohnen und einen wirksamen wie risikofreien Schutz vor der Geldentwertung bieten. Andere Anlageformen mögen durchschnittlich höhere Renditen erwirtschaften, sind dabei naturgemäß allerdings auch riskanter. Wer sein Geld sicher schützen möchte, sollte daher auf die zahlreichen Angebote im Bereich Tagesgeld und Festgeld zurückgreifen.

 

2. Deflation

Das Gegenteil der Inflation ist die Deflation, also ein allgemeiner Rückgang des Preisniveaus in einer Volkswirtschaft. Grundsätzlich ist eine Deflation mit größeren Problemen verbunden als eine geringe Inflation, weshalb Zentralbanken eine Inflationsrate um 2,0% als langfristiges Ziel vorgeben und ihre Geldpolitik dementsprechend ausrichten.
Eine Deflation verhindern zu wollen widerspricht zunächst der Intuition. Warum sollte es schlecht sein, wenn Waren und Dienstleistungen für die Konsumenten günstiger werden?
Deflation löst jedoch stark negative Effekte für die Gesamtwirtschaft aus und erhält sich selbst. Sinkende Preise führen erfahrungsgemäß zu Kaufzurückhaltung der Konsumenten, da diese damit rechnen, dass die Preise weiter sinken. Durch die sinkende Nachfrage sinkt auch die Auslastung der Produktionskapazitäten in den Unternehmen, was wiederum die Preise fallen lässt. Die Unternehmen investieren weniger und das wirtschaftliche Handeln reduziert sich zunehmend, wenn dem nicht durch geldpolitische und andere Maßnahmen entgegengesteuert wird. Dieses Phänomen wird Deflationsspirale genannt und kann beispielsweise seit den neunziger Jahren in Japan beobachtet werden.
Da Staaten in der heutigen Zeit jedoch strikt darauf achten, Deflation gar nicht erst entstehen zu lassen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, scheint das Problem wenig akut.
Manche Ökonomen warnen vor Deflation nach der aktuellen Wirtschaftskrise, die Mehrheit hält dies allerdings für unwahrscheinlich.
Grundsätzlich profitieren Nettogläubiger direkt von einer Deflation, da der Wert des von Ihnen angelegten Geldes steigt. Leidtragende sind die Nettoschuldner, weil der Wert ihrer Schulden zunimmt.

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